Direkt zum Inhalt

Verleihung des Annette-von-Harbou Förderpreises im Fachbereich Verwaltung an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung

VHP

Durchgehalten und der Pandemie mit hervorragenden Leistungen getrotzt. - Verleihung des Annette-von-Harbou Förderpreises im Fachbereich Verwaltung an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung

 

Zum 14. Mal wurde am Standort Gießen der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung der Annette-von-Harbou Förderpreis für hervorragende Abschlussarbeiten im Bachelorstudium des Fachbereichs Verwaltung verliehen.  Gemeinsam mit dem Förderverein der Hochschule werden Absolventinnen und Absolventen ausgezeichnet, deren Abschlussarbeiten zu konkreten Problemen der öffentlichen Verwaltung praxisrelevante und innovative Vorschläge entwickeln und dabei Themen verfolgen, die auch von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Der Preis ist der 2006 verstorbenen Gießener Hochschullehrerin Annette von Harbou gewidmet und wird von ihrem Ehemann Dr. Joachim von Harbou gestiftet.

Nach einem Jahr coronabedingter Zwangspause drückte Dr. Beate Eibelshäuser, Fachbereichsleiterin des Fachbereichs Verwaltung am vergangenen Donnerstag im Rahmen der Preisverleihung ihre Erleichterung darüber aus, dass die Feierlichkeiten wieder stattfinden konnten, wenngleich im pandemiebedingten kleinen Rahmen. Sie hob die Herausforderung für die Studierenden hervor, die gleich zweifach ihr Durchhaltevermögen und ihre Motivation unter Beweis stellen mussten: im üblichen Maße zum Absolvieren des Studiums sowie in besonderem Maße, um unter Pandemiebedingungen eine hervorragende Abschlussarbeit anzufertigen. Diese Auffassung teilten auch die Glückwünsche von Prof. Dr. Christiane Wegricht, Abteilungsleiterin in Gießen, die besonders stolz darüber sein konnte, dass eine der Preisträgerinnen am Standort in Gießen studiert und dort ihre Abschlussarbeit verfasst hat.

Die Pandemie wirkte sich auch auf die Qualität der Einreichungen zum diesjährigen Preis aus, sodass entgegen der sonst üblichen Praxis in diesem Jahr nur zwei Förderpreise vergeben wurden. Prämiert wurde mit dem ersten Preis und 1.000,-- Euro Anerkennung die Arbeit von Denise Bressau „Blended Learning Szenarien zur Einarbeitung neuer Fallmanager*innen am Beispiel des KreisJobCenters Marburg-Biedenkopf“. Ausgangspunkt der Arbeit von Frau Bressau war das konkrete Problem der Marburger Behörde aufgrund hoher Auslastung und relativ hoher Fluktuation ständig neue Beschäftigte einarbeiten zu müssen. Da dabei üblicherweise auf Präsenz und persönliche Anwesenheit aller – Lernenden und Ausbildenden – gesetzt wurde, sorgte dies – schon vor der Corona-Pandemie - für eine große zusätzliche Belastung der Beschäftigten. Zunächst stellte Frau Bressau fest, dass dies weder ein Einzelproblem der Behörde noch der Verwaltung ist, sondern auch in vielen Unternehmen nach wie vor dieses Problem besteht. Die seit Jahren stetig voranschreitende Digitalisierung schaffte es bisher nicht, dass sich Blended Learning Formate für ein wirksames und wirtschaftliches Lernen von Praxisthemen etablieren. Dieser Praxislücke mit Bezug auf die Einarbeitung von Fallmanager*innen widmet sich die Arbeit von Frau Bressau, die einen wertvollen Beitrag für den zukunftsfähigen Umgang mit Blended-Learning Konzepten leistet. Im Ergebnis soll der Aufwind, den das E-Learning in der Einarbeitung durch die Corona-Pandemie erhalten hat, gesteuert werden, damit ein nachhaltig nutzbares Blended-Learning-Format in ihrer Heimatbehörde etabliert werden kann. Die Zweitgutachterin Frau Plettenberg hob in ihrer Laudatio hervor, dass die Arbeit von Frau Bressau, die in der exemplarischen Umsetzung einzelner Bestandteile der bisherigen Einarbeitung in Form von Blended-Learning Modulen ihr Ende fand, als Impulsgeber für das KreisJobcenter wirkte und eine Reihe weiterer Projekte in diesem Kontext angestoßen hat.

Die 2.Preisträgerin, deren Platzierung mit 500,- Euro dotiert ist, Gabriele Vanessa Schmehl vom Landeswohlfahrtsverband Wiesbaden nähert sich in Ihrer Thesis „Wenn das Betreute Wohnen zur Dauerleistung wird. Hilfeverlängernde Umweltfaktoren in der Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen“ einem gesellschaftlich hoch relevanten Thema, indem sie – hier auf eine Zielgruppe eingegrenzt die Fragestellung untersucht, inwieweit Hilfen tatsächlich eine Unterstützung darstellen, um wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen oder ob es Faktoren gibt, die in einer dauerhaften Abhängigkeit von Hilfeleistungen enden. Letztere identifiziert sie tatsächlich in ihrer Arbeit, vor allem in den Bereichen Mobilität, Wohnraum, Arbeit und Tagesstruktur. Zudem macht sie Zusammenhange zwischen verschiedenen Faktoren aus, wie z.B. der Schwierigkeit in Ballungsräumen bezahlbaren Wohnraum zu finden, was dazu führt, dass entweder Wohnungen im ländlichen Raum in Betracht kommen, in denen die Mobilitätssituation schlechter ist als in der Stadt oder Wohnungen in schlechten Lagen erschwinglich sind, die möglicherweise eine weitere Verschlechterung der psychischen Verfassung bedeuten. Auch der Umfang der psychiatrischen Versorgung, die in der Betreuung gewährleistet sein muss, schwankt zwischen Regionen, Stadt und Land mitunter sehr. So kann ein Kreislauf in Gang gesetzt werden, der insgesamt dazu führt, dass der Hilfebedarf bleibt bzw. sogar wieder zunimmt. Die Erstgutachterin Prof. Dr. Mascha Will-Zocholl hob hervor, dass die Ergebnisse genutzt werden können, um in der Praxis die Gewährung von Hilfen zu reflektieren. Die hohe Qualität der methodischen Umsetzung bereitet zudem den Boden für zukünftige weitergehende Untersuchungen, die die hier identifizierten Problemfelder einer größeren Studie zugänglich machen.

VHP