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Umgang mit Posttraumatischen Belastungen/Belastungsstörungen nach Schusswaffengebrauch am Beispiel eines Amoklaufes

Vortrag Raumbild

Am 11.04.2018 fand zu diesem Thema eine Tagesveranstaltung an der HfPV Kassel statt, zu der neben den Studierenden des 6. Semesters u. a. auch KollegInnen des Einzeldienstes des PP Nord- und Osthessen eingeladen waren.

Schusswaffengebräuche gehören zu einem potentiellen Ereignis im Berufsleben eines jedes Polizeivollzugsbeamten. Leider wurde dies bereits zwei Tage später durch einen Schusswaffeneinsatz von KollegInnen des PP Osthessen bei einer Bedrohungslage bestätigt.

Im Anschluss an einen solchen Einsatz stellen sich vor allem dem Betroffenen selbst, aber auch Kollegen, Vorgesetzten und nicht zu vergessen der Familie und Angehörigen viele Fragen nach dem DANACH.

Wie geht es nun weiter? Bleibe ich daheim? Versehe ich weiter meinen Dienst? Warum wird meine Waffe sichergestellt? Wer kann mir helfen, wenn ich nicht mehr schlafen kann oder rechtliche Fragen habe?

Gruppenbild

v.l.n.r.: Jenny Breede, Ralf Hartmann, Prof. Dr. Britta Bannenberg, Peter Gerlach, Annika Toepper-Willrich, Karsten Fechner; es fehlt Frank Egenolf

Prof. Dr. Britta Bannenberg gab passend zum Thema einen Input zu aktuellen Forschungen zum Thema Amok. Sie stellt darüber hinaus allen Interessenten zwei Abhandlungen (Columbine und Ansbach) zum Download zur Verfügung

Hinweis: Die namentliche Nennung der Täter erfolgt bewusst, da Amoktäter sich oft auf bereits begangene Taten bzw. Täter beziehen, zum Beispiel bei der Wahl ihrer Pseudonyme oder Nicknames im Internet.

Die Veranstaltung beleuchtete die vielfältigen Aspekte, die hierbei auftreten können. KHK Peter Gerlach von der Polizei Bayern, der im Rahmen eines Amoklaufes in Ansbach 2009 auf den Täter schoss und dadurch Schlimmeres verhinderte, schilderte eindringlich und sekundengenau sein Erleben, die Situation vor Ort, aber insbesondere auch das DANACH.

Nach der Mittagspause wurde der Fokus auf die Polizei Hessen gelegt. Die Verfahrensweise bzw. die Arbeit des HSG 43 wurde durch Frank Egenolf vorgestellt (siehe hierzu „Handlungsleitlinien für Maßnahmen nach Einsätzen mit gravierenden Folgen, insbesondere nach einem Schusswaffengebrauch“ des HLKA, nur im Intranet abrufbar) und so transparent gemacht.

Annika Toepper-Willrich vom ZPD klärte über die Posttraumatische Belastungsstörung auf und gab Hinweise, wann welche Symptome auftreten können, was natürliche Reaktionen der Psyche und des Körpers sind und was als Alarmzeichen für eine sich verfestigende Belastungsstörung gesehen wird.

Letztlich erläuterten Karsten Fechner als Personalberater der HPA sowie Ralf Hartmann als der des PP Nordhessen, welche Möglichkeiten der Bewältigung eines solchen potenziell kritischen Ereignisses die Polizei Hessen mit dem PSU-Netzwerk ihren Mitarbeitern bietet. Weitere Informationen gibt es bei allen Beteiligten des PSU-Netzwerkes (ZPD, Personalberater, SAP). Alle Unterlagen hierzu finden sich im Intranet auf den Seiten des PSU-Netzwerkes)

Es bleibt zu hoffen, dass ein Schusswaffengebrauch (egal, aus welchem Anlass) wirklich ein Ausnahmefall bleibt und die Betroffenen dann jede Unterstützung bekommen und auch annehmen, die sich ihnen bietet.

 

Jenny Breede,

HfPV Kassel